Minecraft Education: Tops&Flops Teil 2: Flops

Während ich im ersten Teil von einigen Vorteilen von Minecraft Education geschrieben habe, möchte ich einige Dinge, die mir schon oft den Nerv geraubt haben, nicht unerwähnt lassen. Insbesondere weil die meisten eigentlich durch Microsoft behoben werden könnten:

  • Einarbeitung & Effizienz

Die Einarbeitung in Minecraft Education für Lehrpersonen ist im Moment leider sehr aufwändig. Weder gibt es ein schlaues Tutorial in Deutsch noch passende Unterrichtsmaterialien. Dieses Problem anzugehen ist aber schliesslich auch Ziel meines Projektes. Woran ich aber nichts ändern kann ist die Tatsache, dass es keinen Map-Editor für Lehrpersonen gibt. Ein solcher Editor würde es für Lehrpersonen möglich machen, z.B. aus der Vogelperspektive Lernwelten zu erstellen, auf einfache Weise Elemente hinzuzufügen, zu verändern, verschieben, löschen usw. Stattdessen müssen Lehrpersonen genau wie Lernende die Lernwelt aus der Ego-Perspektive von Hand erstellen. Es gibt zwar sogenannte Strukturblöcke, die ermöglichen einmal gebaute Strukturen zu exportieren und in anderen Lernwelten wiederzuverwenden, doch auch das ist unnötig kompliziert. Hier würde ich mir in der Zukunft wirklich wünschen, dass Microsoft den Lehrpersonen einen einfach zu bedienenden Map-Editor zur Verfügung stellt.

  • Texteingabe & Information

Es gibt die hervorragende Möglichkeit in den Lernwelten virtuelle Tafeln aufzustellen, oder NPCs Texte sprechen zu lassen. Dies kann genutzt werden, um den Lernenden im Spiel selber Informationen zur Verfügung zu stellen. Leider ist der Texteditor extrem schlecht. So muss z.B. bei einem Schreibfehler bswp.  der gesamte Text, der vor dem Schreibfehler liegt, gelöscht und nochmals neu geschrieben werden. Copy-Paste funktioniert ebenfalls nicht. Dasselbe gilt auch für NPCs. Das macht das Verfassen von Texten im Spiel eine völlig unnötig Zeitaufwändige Sache.

  • Speichern & Laden

Das Speichersystem von Minecraft Education ist im Moment ebenfalls eine oft frustrierende Sache. So kann eine Lernwelt nicht verlassen werden, ohne dass sämtliche Änderungen gespeichert werden. Dies ist insbesondere dann ein grosser Nachteil, wenn man die Welt vorher nicht exportiert hat und in der Zwischenzeit ein Fehler bei einem Bau passiert oder etwas zerstört worden ist. Beispiel: Ich programmiere einen NPC und vergesse im Unterricht schädliche Gegenstände zu deaktivieren. Ein Schüler nutzt nun TNT und sprengt den Untergrund des NPCs weg, der nun nicht mehr angesprochen werden kann. Nun besteht keine Möglichkeit mehr die Map nochmals vor der Explosion zu laden. Warum es wie sonst üblich keine Quicksave und Quickload Möglichkeit gibt bleibt mir ein Rätsel. Oder habe ich hier etwas komplett übersehen?

  • Kontrolle & Ablenkung

Zwar kann ich die Rechte der Lernenden in der Spielewelt in gewissen Grenzen einschränken und erweitern, dies ist jedoch oft ziemlich kompliziert. Dies wäre aber umso wichtiger, da eine der grössten Herausforderungen beim Einsatz von Minecraft darin besteht, die Lernwelt und die Aufträge so zu gestalten, dass sie sich nicht durch andere Dinge in der Lernwelt ablenken lassen, oder Zeit mit Dingen verlieren, die nichts mit den eigentlichen Lernzielen zu tun haben. So kann ich den Lernenden zwar Rollen wie „Beobachter“, „Mitglied“, oder „Operator“ zuweisen, doch wäre es mir als Lehrperson lieber ich könnte die Rechte und Fähigkeiten einzeln aktivieren und deaktivieren.

Beispiel: Unendlich Ressourcen / Flugfähigkeit / Unsterblichkeit / Cheats & Codebuilder – die Möglichkeit besteht zwar, doch die Einstellungen sind teilweise gut versteckt / nicht am selben Ort.

  • Programmierung & CodeBuilder

Die Mächtigkeit des CodeBuilders wird leider dadurch eingeschränkt, dass er nicht alle Funktionen enthält, die Minecraft eigentlich bieten würde. Auch sind nicht alle Informationen & Variablen abgreifbar, welche eine noch viel bessere Nutzung ermöglichen würden. z.B. das Abgreifen der Blickrichtung / Orientierung des Spielers, oder die Möglichkeit zur Bestimmung der Position eines anderen Spielers. Gerade für die Nutzung von Lernwelten als Simulationen wäre es auch von Vorteil, wenn die Möglichkeit bestehen würde, über den CodeMaker statt auf Ebene Spieler direkt auf Ebene Map zu programmieren. Dies würde ermöglichen, dass man Lernenden nicht sämtliche Operatoren-Rechte zuteilen muss, damit sie die Simulation über ihren eigenen CodeBuilder starten können. Auch würde dies es erleichtern die Programmierung der Simulation direkt in die Map-Datei zu integrieren, statt sie als gesonderten Link oder Datei noch extra einfügen / aktivieren zu müssen.

  • Unterrichtsmaterial & Sprache

Just plain and simple: Es gibt weder deutschsprachige Maps noch deutschsprachiges Unterrichtsmaterial. Aber dafür ist gibts jetzt minelearning 🙂

Wahrscheinlich gehen viele dieser Nachteile zu sehr in die Tiefe und sind für Euch nicht direkt nachvollziehbar. In meinen Augen sind sie jedoch im Moment ein wichtiger Grund dafür, dass Minecraft Education aktuell noch weit hinter seinem Potential zurückbleibt. Was ich unglaublich schade finde. Warum? Das lest ihr im ersten Beitrag zu den Vorteilen.